Reviews (Tonträgerbesprechungen)

Todesreigen (Bel)

- Ten Nieuwen Val Bereid -


Veröffentlichung: Mai 2020
Release: Digital Download/ Tape
Genre: Dark Folk/ Neo Folk/ Apocalyptic Folk


Wenn ein Musikprojekt Todesreigen heißt und aus Flandern, in Belgien stammt und auf dem Cover ein Totenkopf prangert, da schwant einem die Finsternis. Das kann ja nur abgrundtief düster sein, obskur und undurchschaubar, ominös. Stimmt. 

Man möge mir nachsehen, ich weiß nicht, wie man das hier verwendete Instrument nennt, welches neben der akustischen Gitarre, den verhallten Trommeln, im Hintergrund und dem dunklen, distanzierten Gesang zur Geltung kommt. 

Manchmal, aber nur manchmal, erinnert der Stil des Herrn Todesreigen ein bisschen an Bands wie Of The Wand And The Moon, Forseti, etc. Ich bin aber in dieser Musikrichtung kein Experte. Ja es ist im Grunde Dark Folk oder Neo Folk, dennoch fühlt man sich eher im finsteren Mittelalter, wenn man diese 6 Songs laufen lässt. In einem finsteren Mittelalter wohlgemerkt, wo einem die Schädel zur Schau gestellter Skelette, spöttisch, hämisch angrinsen. 

"Der grimmig Tod mit seinem Pfeil, tut nach dem Leben zielen", ist ein alter Landsknecht-Gesang und der kommt einem hier immer wieder in den Sinn. Zwischen mittelalterlich anmutenden Hymnen und einem ominösen Totenkult. 

Wie passt dies kultige Kuriosum in das Jahr, 2020. Apocalyptic Folk, nutzt Herr Todesreigen als Tag bei Bandcamp. Falls es euch hilft, Shan Dark, von Der Schwarze Planet war von dieser Band ebenfalls ganz angetan. Es ist auf seine Art pechschwarze Musik. Falls es jemals wieder Festivals geben würde, ich könnte mir Todesreigen sehr gut auf einem Nuit Dark Ritual vorstellen, die würden da ganz gut hin passen. 

Da ich also in dieser Musikrichtung kein Experte bin, müssen diese Worte ausreichen, um die Stimmung dieses ungewöhnlichen Projektes zu beschreiben. Ten Nieuwen Val Bereid. Es gibt übrigens auch eine strikt limitierte Tape Version dieser Veröffentlichung.

Anspieltipp: (Der Gewitterabend)

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The Witch Will Die Tomorrow (Rus)

- Lost Ones -


Veröffentlichung: März 2020
Release: Digital Album
Genre: Darkwave / Gothic Rock / Post Punk


Hierbei handelt es sich nicht um ein neues Album, sondern um eine Zusammenstellung von raren Songs, oder alternativen Versionen. Geeignet Für Einsteiger in das schwer zugängliche TWWDT Universum. 

Der Titel, Love klingt und ist textlich wie ein unveröffentlichter Sisters of Mercy Song. Wer Garden of Delight, Love Like Blood oder eben jene Sisters mag und das ganze artig, live im Hobbykeller, wird schmachtend die Repeat Taste aktivieren. 

Diese hymnischen Gitarren, tiefer Gesang, E-Drum, es kann doch so einfach sein. Keine schmachtende Melancholie -Sonnenbrillen-Coolnes- für dein On-The-Road-Event in Dauerschleife. Ich kannte den Song nicht, wenn das wirklich eine Coverversion ist, wäre ich baff, dass ich ihn nicht kannte. Geil.

Gleich der Tipp, hört es laut, so laut es geht. Den Song I heard a cry kannte ich in einer anderen Version. Schmachtende Wall of Sound Gitarren, wieder der charismatische, dunkle Gesang, die hallenden Gitarren hauen es hier raus, erzeugen Mystik und Tiefgang. 

Jetzt werden sicher einige denken, Moment, der Song kommt mir von einer anderen Band bekannt vor. Es ist uns auch aufgefallen. The Witch Will Die Tomorrow hatten ihren I heard a cry schon einige Jahre vor der mutmaßlichen anderen Version. 

Es folgen noch ein paar Coverversionen von The Cure und The Doors, letztere ist sehr punkig, was die Band auf den letzten beiden CDs ja gern immer mal wieder aufgriff. Lauten scheppernden Punk, zwischen coolen Goth Rockern. 

Hierbei fällt einem auf, TWWDT waren wirklich auf dem Weg ihren eigenen Sound zu finden. Waren? Ja leider. Man gab vor wenigen Wochen bekannt, man habe sich getrennt. Schade. Allerdings stehen dem Interessierten noch zwei volle Alben zur Entdeckung zur Verfügung.

Ich empfehle eine sofortige Hörprobe und bei Gefallen, downloaden! Wer weiß wie lange die Seite nach der Auflösung noch aktiv ist.

Der Lost Ones Download ist übrigens kostenlos.

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Fearing (USA)

- Shadow -


Veröffentlichung: April 2020
Release: CD/LP/Digital Download
Genre: Post Punk /Darkwave


Ich fand die Kalifornier von Fearing schon immer irgendwie gut. Es war nicht zwingend geil, kein "Must Have", aber cool fand ich sie schon immer. Jetzt haben die vier “Poscht Punker” hier aber ein Album rausgehauen, das einerseits so distanziert, monoton, reizarm und andererseits so gefühlsbetont und melancholisch ist, dass ich teilweise nachdenklich im Eck sitze, wenn ich Shadow laufen lasse. 

Ich weiß nicht, ob hier zwei Sänger gleichzeitig singen, oder ob dies ein Hall-Effekt ist, aber allein schon in diesem distanzierten, traurigen Gesang und dem Hall- /Echo-Effekt liegt ein unglaublicher Reiz. Trail of Grief ist so ein Song, akustische Gitarren im Hintergrund, treibende Drums, tiefer verhallter Gesang. Es ist wie erwähnt, nichts, was man haben muss und manche waren von dem Album auch etwas enttäuscht, da sie vielleicht irgendwas besonders eingängiges erwarteten. 

Shadow zündet nicht sofort. Es wirkt aber nach. Man will es wieder hören und irgendwann, nach dem dritten oder vierten Hördurchgang, machte es klick. Seitdem läuft es immer ohne Skip-Taste, die Repeat-Taste, benutzt man hingegen. Lauscht, träumt, lässt die Gedanken schweifen..... 

Fearing klingen sehr amerikanisch, man hört sofort, dass es eine amerikanische Band ist, die haben eine ganz eigene Art, Stimmungen umzusetzen. Ich kann es nicht beschreiben, Shadows ist reine Gefühlsebene, der Song ordnet sich dem Gefühl unter. Ein sehr spannendes depremierendes Album, das ich ins Herz geschlossen habe. Trostlosigkeit, no future, verloren in dieser Welt, die sich immer schneller dreht und nicht anhalten will. 

Fearing haben ein bischen Probleme, ihren Klang einzuordnen, nutzen alle Tags die man verwenden kann, um dunkle Gruftiemusik zu beschreiben. Nun, für mich ist es einfach moderner Darkwave.

Die endlosen Weiten ihrer Klangwelt, erdrücken und reißen mut, wenn man die Distanz überwunden hat. Pictured Perfekt mag als Anspieltipp geeignet sein. Ich benutze nun erst einmal die Repeat Taste und verkriech´ mich im Eck, unter einer Decke.

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Morosinthe

- EP 2020 -


Veröffentlichung: März 2020
Release: Digital Download EP
Genre: Gothic / Darkwave / Gothic Rock


Letztes Jahr entdeckte ich auf YT einen Upload, der mich irgendwie hungrig machte. Irgendwie hörte sich das so an, als ob ein Vendemmian/Rosetta Stone Fan, zu oft The Cure gehört hätte und versuchte, daraus einen eigenen Stil zu formen und das beste, es hörte sich so an, als hätte man es Live im Hobbykeller aufgenommen. 

Es fällt mir auch sehr schwer, ein spezielles Werk von Morosinthe als repräsentativ auszuwählen. Der Mann hat in den letzten Monaten dermaßen viel exklusives und vorzügliches Material veröffentlicht, dass einem schwindlig wird. Dass man sich so etwas heutzutage überhaupt noch traut, davor verneige ich mich einfach. 

Die digital 4 Track EP beginnt mit einer schmachtenden melancholischen Darkwave /Post Punk Hymne, voller Sehnsucht. Es wohnt dem Song eine Trauer inne, die einfach packt und berührt. Mein persönlicher Fave ist Silent film, da packt der gnädige Lord V. alles rein, was er drauf hat. Wall of sound, trauernde Gesänge, es ist herrlich, vor allem LAUT, on the road. Pure, süße, Melancholie oder tiefe Trauer, diese Frage drängt sich bei 
Occulos Occrutus (Original) auf. 

Mich würde nur interessieren, kommt die Band jetzt aus der Slowakei, oder den USA? Warum schreibt mir Lord V. auf deutsch...eine ominös, obskure Sache.... Fragen über Fragen.... hört es euch an. Pure Leidenschaft, die genau ins Herz trifft. - Dies hier ist genau die Musik, die ich gern bei einer Weinverköstigung laufen lasse, während der Film Symphonie des Grauens läuft. Als Dessert ein Glas Absynth im Mondschein.

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Rosa Crux (Fra)

- Reliquiae #3 Incorrupti - 

Release: MP3-Stick, Reliquiae
Genre: Gothic / Dark Ritual /Industrial / Darkwave

Ich wusste bis letztes Jahr nicht, dass es von Rosa Crux vier neue Songs gibt, die veröffentlicht wurden. Nicht auf CD, sondern als MP3-Stick-Bonus auf dieser -episch, morbiden Reliquie. Die Reliquie ist ein Kunstwerk für sich, welches man gerne auf seinem Altar stehen hat. Das es hier zusätzlich vier neue Rosa Crux Songs gibt, ist also doch ein sehr erfreulicher Bonus. 

Manche meckerten über den Preis, 40 Euro, aber eigentlich ist das hier ein schöner Quit Pro Quo. Seid doch mal ehrlich, wenn ihr dieses Kunstwerk im Ikea sehen würdet, ihr würdet es kaufen, einfach so als Deko, aber weil man im Hinterkopf hat, dass es handgemacht ist, muss man über den Preis meckern. 

Vier neue Songs, die nicht mehr ganz so eingängig sind, wie auf dem Proficere Album. Dafür sind sie unglaublich düster, bzw. melancholisch und ich würde schon sagen, dass diese Songs unglaublichen Hunger nach mehr machen. 

Ein weiterer Bonus ist ein Video, das sich mit der Pest-Epidemie im Mittelalter beschäftigt. Man hört düstere Klänge und der Rosa Crux Sänger rezitiert dazu. Was sich in der Kombination unheimlich, düster und philosophisch anhört. Ich fand das so geil, dass ich das Video als MP3 konvertierte und es mir oft und gern on the road anhöre. Pure Gänsehaut.

Wer Rosa Crux nicht kennt, ich würde die Musik als puren Gothic beschreiben. Eigen, aber pur. Mit Leidenschaft dargebracht. Da ich aber weiß, dass Rosa Crux sich selbst als Dark Ritual im Bereich Industrial/ Darkwave einordnen würden, versuchen wir es mit der Beschreibung, sakrale Ritualmusik und finsterste Hexenbeschwörungen, die dazu in der Lage sind, sich in die Seele einzunisten um dort wohltätig, den Geiste Frankreichs atmend, die Leidenschaft für Kunst und morbide Romantik zu entfachen. Eine kreative Veröffentlichung, die definitiv zu meinen kostbaren Schätzen zählt. 

Merci. 

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Reliquiae/ EP
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Mercury's Butterfly (USA)
-The Seventh Day-

Veröffentlichung: Juni 2020
Release: Digital Download
Genre: Darkwave / Positive Punk / Doom n Gloom


Mercurys Butterfly ist ein Projekt von Feywer Folevado aus dem schönen Orland (Kalifornien). Feywer spielt sämtliche Instrumente selbst und erzeugt so, eine eigenwillige, melancholische Stimmung zwischen sanft, obskur, experimentell. Diesen Stil zelebriert Feywer seit gut 3 Jahren. 
The Seventh Day ist bereits die 5. Veröffentlichung. Die meisten Veröffentlichungen sind Digital Downloads, ein paar limitierte Tapes wurden auch veröffentlicht. Die Musik erinnert zwar an die Anfänge der Gothic und Darkwave Musik, ist aber keinesfalls altbacken, im negativen Sinn. 
Namen wie The Danse Society oder Tones on Tail kommen einem in den Sinn. Der ein oder andere Musikexperte, wird sicher auch einige Shoegazing Elemente entdecken.
Der erste Song auf dieser EP, die übrigens an Samhain (31.10.) aufgenommen wurde, ist von einem Gastsänger eingesungen worden.
Exzentrisch, melancholisch, bittersüß.
Danke Feywer.

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Inovercy (Mex)
-Vehemencia-

Veröffentlichung: Mai 2020
Release: Digital Download
Genre: Positive Punk / Death Rock / Gothic Rock

Ein Quartett aus Mexiko City, aktiv seit 2014. Erinnert mich fatal an viele Sachen, die zwischen 1982 und 1986 veröffentlicht wurden. Soll heißen, die sind wild und ziemlich punkig.
Inovercy legen hier 4 Songs vor und werden von Song zu Song ungestümer. Lunas ist ein typischer Goth Rock Smasher, mit klagenden Gitarren, treibenden Drums und düsterer Stimmung. 
Discernir arbeitet mit laut/leise Dynamik. Hatte ich erwähnt, alle Texte werden eindringlich auf spanisch vorgetragen. Campos Rojos wird schon bisschen wilder und punkiger und der letzte Song Discordia ist dann möglicherweise von der späten Christian Death Phase inspiriert.
Die Sensation an Bands aus Mexiko und Südamerika, ist sicherlich diese Ungestümtheit, die ich selbst an den alten Bands so sehr schätze. Anzusiedeln ist das ganze irgendwo zwischen Siouxie, Christian Death und Bauhaus. Klagende Gitarren, typisch für diverse Death Rock Sachen, eher verzerrt, treibende Drums, pulsierender Bass und wilder Gesang von Bandchef, Jorge Corvus.
Im direkten Vergleich zum Vorgängerwerk, hat man einiges an wilder Ungestümtheit zu gelegt. Der Name Christian Death geht einem doch ab und dann im Kopf herum.
Viele mexikanische und Südamerikanische Bands haben ja gegenüber aktuellen europäischen Bands einen erheblichen Vorteil. Die spielen mit so unglaublich viel Leidenschaft und Gefühl und Dynamik. Dieser dynamische Prozess, macht diese Veröffentlichung letzten Endes auch, für meinen Geschmack, empfehlenswert. Ein wilder Death Rock Release mit viel mexikanischer Spielfreude. Das Vorgängerwerk hatte mir noch einen Zacken besser gefallen.
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